Der RPA-Markt entwickelt sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiter und damit auch die Plattformen, welche bei der Entwicklung der Softwareroboter unterstützen. In diesem Beitrag vergleichen wir den vorherrschenden Anbieter UIPath mit dem - vergleichsweise jungen - Produkt "Power Automate" aus dem Hause Microsoft.

Preisgestaltung für Unternehmen
Hinsichtlich des Preises gibt es einen klaren Gewinner: Power Automate. Fünf Flows kosten bei dem Softwareriesen 421,50€ im Monat, jeden weiteren gibt es für 84,30€. Wird anstatt des „per-Flow-Plans“ pro Nutzer bezahlt, liegen die Kosten bei 12,60€( https://flow.microsoft.com/de-de/pricing/ ). Somit ist die Lizenz viel erschwinglicher als die teilweise undurchsichtigen und hohen Preise von UI-Path.
Bei UIPath ist ist dafür in der Community-Edition ein kostenloser, beaufsichtigter Robot möglich. Für eine unbeaufsichtigte Automatisierung werden aber zusätzliche Systeme nötig. Die Lizenskosten alleine können sich dann durchaus im fünfstelligen Bereich bewegen. Ein Roboter kann hier mehrere Prozesse ausführen, allerdings nur einen Vordergrundprozess zur gleichen Zeit. Mehrere Hintergrundprozesse, welche nicht interaktiv ausgeführt werden, können zur selben Zeit laufen.
Bei beide Anbietern handelt es sich um ein Abonnement: wenn die Zahlungen gestoppt werden, funktionieren auch die Makros nicht mehr.

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Desktop Automatisierung
Im Gegensatz zu UIPath fehlte bei Power Automate bis Mai 2020 an eine Möglichkeit zur Desktop-Automatisierung. Dies hat sich im letzten Jahr durch die Übernahme von Softomotive geändert. Dadurch hat Power Automate inzwischen viele neue Funktionen, darunter die Low-Code-Desktop Automatisierungslösung WinAutomation. Das Ziel dieser Lösungen ist, vorwiegend Endanwendern im Unternehmen die Möglichkeit zur Prozessverbesserung und Automatisierung zu ermöglichen.
Sowohl UIPath als auch Power Automate bieten Möglichkeiten für Bildverarbeitung, OCR und Citrix.

Skripting
Sobald etwas kompliziertere Prozesse automatisiert werden sollen, ist der Einsatz von Skripten gefragt. UIPath setzt hier auf eine proprietäre visuelle Sprache sowie eine selten verwendete: VB.NET. Bei Power Automate wird VBScript verwendet.

Der Anwendungs Test
Für Einsteiger und als „no Code“ Lösung bietet UIPath die Möglichkeit einen Arbeitsablauf mit einem Flussdiagramm-Editor zu erstellen. Das Aussehen der Benutzeroberfläche ist zwar modern, aber sobald die Skripte wachsen, wird es schwer diese zu warten und zu debuggen. Auch das Teilen von kleineren Codesequenzen stellt sich als schwierig dar: Flussdiagramm können nicht einfach kopiert und eingefügt werden. Daher ist es schwierig bei Problemen, beispielweise in Foren, nach Hilfe zu fragen. Die Plattform bietet aber eine Möglichkeit die Routinen über ein vorgefertigtes Skript zu loggen. Auch Screenshots und Videos zur Fehleraufzeichnung sind möglich.

Mit UIPath Academy wird eine umfassende und kostenlose Schulungsplattform angeboten. Die Lernpfade sind in verschiedene Bereiche eingeteilt und ermöglichen es Nutzern auf unterschiedlichem Niveau ihr Wissen bezüglich der Plattform zu vertiefen.

Die Power Automate Plattform bietet einen großen Vorteil für Einsteiger: Es gibt viele bereits fertige Automatisierungen. Diese müssen vom Nutzer lediglich durch wenige Angaben individualisiert werden. Auch die Vielzahl an Connectoren, welche die Anbindung an externe Dienste ermöglichen, bieten einen schnellen und einfachen Anfang. Sind allerdings Fehler-Loggings für die implementierten Prozesse gewünscht, müssen diese in einem abzweigenden Prozesse implementiert werden.

Die Dokumentation der Microsoft Lösung ist nach ein paar „Erste-Schritte-Beiträgen“ eher für Entwickler ausgelegt und ist nicht vollständig auf dem neusten Stand. Daher sind die Schulungsunterlagen nur bedingt geeignet für Nutzer, welche keinen Microsoft-Produkt Hintergrund haben.

Fazit
Beide Plattformen bieten Vor- und Nachteile, aber letzten Endes kommt es auf den gewünschten Einsatzbereich an. Power Automate bietet durch die vorgefertigten Prozesse eine einfache Möglichkeit für alle technisch versierten Nutzer gängige Szenarien wie Dateisicherung, Push-Benachrichtigung nach Erhalt einer E-Mail und Audit-Workflows zu automatisieren.

Für komplexere Szenarien benötigt es bei dieser Plattform aber schnell tieferes technisches Wissen. UiPath erfordert ein höheres Einstiegslevel: für komplexere Automatisierungen wird eine technische Ausbildung empfohlen. Der Einsatz wird aber durch die gut strukturierte Schulungsplattform erleichtert. Die Plattform punktet außerdem mit einer hohen Entwicklungsflexbilität. Sie ist daher die bessere Wahl bei Szenarien mit mehreren Prozessen, welche eine komplexe Geschäftslogik beinhalten oder wenn große Datenmengen verarbeitet werden.